William J. Broad: The Science of Yoga

Was es verspricht – uns was es kann

Yoga – wie weiter?

Bei den Wohlhabenden und Gebildeten ist Yoga allgegenwärtig. Man muss sich nur ein bisschen umsehen und merkt schnell, dass das Beugen, Strecken und tiefe Atmen zu einer Art Sauerstoff für die moderne Seele geworden sind. .

BroadScienceYoga boomt, Yoga ist cool. Yoga heilt, Yoga ist gesund. Wer hip sein will, betreibt Yoga, ebenso der, welcher Leiden vermindern, eine bessere Figur gewinnen, spirituell wachsen und eine neue Gemeinschaft finden will. Die Werbeslogan und Heilversprechen von Yoga sind vielfältig, von Gefahren hört man kaum. Zwar liest man dann und wann einen Warnhinweis, man solle erst den Arzt kontaktieren und übe auf eigenes Risiko, wo die Risiken genau beim Yoga liegen, sucht man oft vergeblich. Die Yogaliteratur schwillt in enormem Tempo an, überall liest man, welche Wirkungen welchen Stellungen zugeschrieben werden, bei den Warnhinweisen wird das Feld dünner, beschränkt sich oft auf Warnungen bei Bluthoch- oder -tiefdruck, Schwangerschaft und ähnlichem. Die propagierten Wirkungen und positiven Effekte sind dabei meist nicht abgestützt, sie werden schlicht von Buch zu Buch weiter transportiert, einer schreibt beim anderen ab, im Glauben, dass es sicher seine Richtigkeit habe, zumal man dasselbe immer häufiger liest und so viele sich nicht irren können.

William J. Broad geht als Wissenschaftsjournalist kritisch an das Thema Yoga heran. Er zitiert Studien, verweist auf wissenschaftlich dargelegte Risiken verschiedener Stellungen und zeigt so auf, dass Yoga nicht nur heilbringend, sondern auch unheilbringend sein kann.

Doch die Krankenhausberichte zeigen, dass Yoga auch zu Brüchen, Schlaganfall, Auskugelung, Ruptur, Herzversagen, Bandscheibenvorfall, tiefer Venenthrombose, Schwindel, Nervenverletzung und Hirnschaden führen kann.

Trotz all der Risiken geht es Broad nicht darum, Yoga zu verteufeln, ist er doch selber seit über 30 Jahren Ausübender. Er will dazu aufrufen, Yoga zu überdenken, sich als Lehrer auch der Verantwortung bewusst zu sein, die man für seine Schüler hat und die Schüler darauf hinzuweisen, dass auch Yoga mit Vorsicht geübt werden soll:

Alle sportlichen Betätigungen umfassen ein gewisses Risiko und Yoga bildet da keine Ausnahme.

Oft sind Verletzungen beim Yoga auf das Verhalten des Übenden zurückzuführen. Er wollte zu viel, wollte sich und anderen etwas beweisen, hörte zu wenig auf seinen Körper. Damit nun zu sagen, alles sei gut, wäre zu kurz gegriffen, da der Trend im Yoga genau in die Richtung führt. Immer noch gewagtere Stellungen sollen geübt werden, der Gruppendruck in Studios ist vorhanden, der Vorsatz, nicht zu urteilen, wird zwar in derTheorie hochgehalten, in der Praxis greift er nicht immer.

Ziel soll es also sein, Yoga bewusst anzusehen, die Gefahren zu erkennen und sich zu fragen, was man genau mit Yoga erreichen will, wozu man es übt und wie es gesund, heilsam und risikoarm geübt werden kann. Dass die Vorteile des Yoga dessen Risiken bei weitem überwiegen ist auch Broad sicher, wichtig ist, den Risiken ins Auge zu sehen (und sie nicht wie bisher weitgehend totzuschweigen).

Fazit
Ein informatives, gut recherchiertes, fundiertes Buch, das wachrüttelt. Pflichtlektüre für jeden Yogaübenden und vor allem für Yogalehrer.

Zum Autor
William J. Broad ist Autor und Wissenschaftsjournalist der New York Times, gewann mehrere Auszeichnungen für Print und TV, erhielt mit Kollegen zusammen zweimal den Pulitzerpreis, einen Emmi und einen DuPont für herausragende journalistische Leistungen. Er praktiziert seit 1970 Yoga.

 
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Herder Verlag (15. April 2013)
Übersetzung: Maren Klostermann
ISBN-Nr.: 978-3451306853
Preis: 22 Euro / 35.90 CHF

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

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