Meditation – das pralle Leben

Wir haben alle unsere Vorstellungen, was Meditation ist:

Still sitzen, nicht denken, atmen. Sein. In Frieden, in Ruhe.

Nur schon Friede und Ruhe stellen sich leider schwer ein, dazu sollte man die Meditation auch noch in einer bestimmten Weise tun: In aufrechter Sitzhaltung, Ohren über den Schultern, Scheitel zum Himmel, Becken aufrecht, linker Fuss auf rechtem Oberschenkel, rechter auf linkem, um aus allem eins zu machen und die Wachheit zu behalten*. Es gibt auch die Meditierende, die mit der Ausrede, das Sitzen falle ihnen nicht leicht, liegend meditieren – und dann selig entschlafen… Leider ist Schlaf so  ziemlich das Gegenteil von Meditation. Aber: Am Sitz soll es nicht scheitern, denn: Da schmerzen die Knie, die aufrechte Haltung ist anstrengend und der Geist macht eh, was wer will – Zudem: Wann sollen wir das noch in unseren sonst schon vollen Stundenplan bringen? Wir haben viele Argumente zur Flucht, um nicht hinschauen zu müssen, nur:

Wer will, findet Wege, wer nicht will, Gründe.

Meditation – so heisst es oft – sei das Sein im Hier und Jetzt. Alltag. Abwaschen, Gehen, Essen, Arbeiten – alles kann Meditation sein. Und wir tun das alles. Meditieren wir also alle schon den ganzen Tag? Schliesslich waschen wir ab und denken dabei schon, was wir nachher tun sollen, wir essen und lesen dazu die Zeitung, gehen spazieren und denken über das Leben nach. Gerade drum ist es keine Meditation: Wir sind nie wirklich da, wo wir sind, sondern immer wo anders. Es gibt zwei Stufen, abzutauchen:

  • Vergangenheit: Was war, wieso war es und wieso hat es nicht anders sein können? und:

  • Zukunft: Das will ich, wie könnte es sein, was will ich haben?

Nur: Wir haben nur das Hier und Jetzt. Und nun? Es ist also nicht jeder schon erleuchtet, weil er abwäscht, Zug fährt oder isst. Nicht WAS wir tun, ist wichtig, sondern WIE wir es tun. Wer laut und viel erzählt, was er alles tut und dabei erlebt, hat wohl relativ wenig begriffen. Denn: Was soll es bringen? Wem? Machen kann es nur jeder selber. Und es ist einfach:

Atmen, dem Atem folgen, sein. Hier. Jetzt. Und hier und jetzt tun, was getan werden muss.

Aber es ist doch schwer. Man kann es nur machen. Es gibt nicht mehr dazu zu sagen.

_______

*nachzulesen bei Shunryu Suzuki: Zen-Geist Anfänger-Geist

 

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2 Kommentare zu „Meditation – das pralle Leben

  1. Meditieren bedeutet, mit dem Geist den Geist beobachten.
    Beobachten ist der Schlüssel zur Erleuchtung.
    Einen anderen Weg gibt es nicht.
    Es gibt nur andere unzählige Möglichkeiten der Beobachtung.

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  2. Bewusst zu sein bedeutet Bewusstsein.
    Meditation ist der Schlüssel zum Bewusstsein.
    Bewusstsein kennt weder Fragen, noch sucht nach Antworten.
    Bewusstsein ist gleichzeitig überpersönlich als auch persönlich.
    Bewusstsein ist jenseits des Verstandes und doch auch als Verstand.
    Bewusstes-Sein, doch jenseits des Seins und Nichtseins.
    Bewusstsein ist undefinierbar, doch nur direkt von sich selbst wahrnehmbar.
    Weder lehrbar, noch lernbar, strahlt es als Essenz des Herzens.
    In sich strahlend und ewig ruhend, lässt es sich an seiner Oberfläche als Wellen scheinen.

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