Der Wunsch, geliebt zu werden

Wir alle wollen geliebt werden. Und uns wurde eingeimpft, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, um es zu werden. Und so sind wir dann. Nicht mehr wir selber, sondern so von aussen bestimmt liebenswert. Das ist meist so gar nicht liebenswert, weil ziemlich berechnend.

Manche belassen es dabei und fahren vordergründig gut. Zwar werden sie nicht wirklich geliebt, aber sie haben Erfolg. Das deckt eine Zeit lang die Ur-Sehnsucht. Wenn nicht mehr, wird es eng.

Andere fahren nicht so gut und hinterfragen. Und da treffen sich dann beide wieder: Man muss was ändern und es gibt genügend Theorien, wie das ginge… man ist nicht blöd und verschreibt sich einer. Buddhismus, Yoga, Tantra, Achtsamkeitsmeditationen, Religionen, psychologische Ratgeber – irgendwas passt grad so und das nimmt man dann. Und liest und gibt sich geläutert, und spricht in der Sprache der gewählten Richtung… nur: Im Alltag setzt sich das nicht um. Da hilft kein Altar, kein Bücherwissen, kein gar nix. Nur der wirkliche Wille, all das Leistungsdenken aufzugeben. Um wirklich zu sein. Und so geliebt zu werden.

Braucht Mut. Vielleicht bringt man den oft erst dann auf, wenn man erkennt, dass es So, wie es bislang lief, wirklich nicht mehr weiter geht. Da ist man aber meist schon sehr weit unten – in irgendeiner Form.

Wenn man es sich dann leisten kann, Abstand von den anderen zu halten, sollte man das wohl tun. Von ihnen wird nie wirkliche Liebe kommen, sie “lieben” nur, wenn man das liefert, was sie brauchen. Und man fühlt sich selbst dann nicht wirklich geliebt.

Tief drin ist etwas, das einfach da ist. Es war da, als wir auf die Welt kamen, es wird uns überdauern. Wir haben verschiedene Stadien durchgemacht, unsere Meinungen verändert, unsere Rollen vertauscht. Wir  waren Kinder, wurden gross, wir waren Lernende, wurden Ausgebildete. Tief drin blieben wir. Menschen. Wesen. Seiende. Doch was liebt ein anderer an uns? Oft wohl Rollen, die wir grad innehaben, die wir nach aussen projizieren, weil wir uns über sie definieren. Und wenn die Rolle ins Wanken kommt, wanken wir mit und die Liebe des andern ebenso. Und dann sind wir allein. Wir haben den Halt der Rolle verloren und die Liebe dessen, der auf die Rolle ebenso baute, wie wir selber.

Wer bin ich?

Tief drin bin ich. Niemand. Nichts. Ich muss nichts sein, weil ich alles bin. Damit kann man klar nicht ans nächste Vorstellungsgespräch, da zählen Papiere und Abschlüsse (die mehrheitlich nichtssagend, aber gefordert sind – ich kann das gerne ausführen, hier sprengt es den Rahmen). Wir leben in der Welt und wir müssen unseren Platz hier finden. Aber: Wir dürfen uns nicht damit identifizieren. Unser Wert als Wesen definiert sich nicht über die Rollen. Wenn wir einen Platz in dieser Welt haben wollen, heisst es „Gas geben“ und die Kriterien erfüllen. Das ist toll und wunderbar und wichtig. Für das Leben in der Gesellschaft. Eine Gesellschaft lebt von vielen verschiedenen Menschen mit vielen verschiedenen Zielen, die sie in der Gesellschaft erreichen wollen. Sie sollten nur ihren Wert nicht über ihren Platz in der Gesellschaft definieren. Sie sollten nicht  denken, dass der Platz in der Gesellschaft sie liebenswert macht. Dieser Platz ist wie ein Gewinnspiel. Man löst ein Kreuzworträtsel und schickt das Lösungswort ein. Man tat es nach bestem Wissen und Gewissen und will das Spiel gewinnen. Einige gewinnen, andere nicht. Keiner ist deswegen ein schlechterer Mensch.

Schön wäre eine Welt, in der alle gut überleben könnten und sich geliebt fühlen. Einfach weil sie sind. Wie sie sind.

 

 

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7 Kommentare zu „Der Wunsch, geliebt zu werden

  1. Der Wunsch, geliebt zu werden, hat doch auch seine Wurzel in dem Mangel des nicht wirklich Wahrgenommen, gesehen und anerkannt sein. Im Sein ansich. Wenn wir wirklich wahrgenommen werden, als die die wir sind, ist es ein Schritt zu der Liebe, die jeder in sich trägt und die wir bedingungslos oder allumfassend nennen können.

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    1. Es fängt schon dabei an, sich selber wirklich wahrzunehmen, sich selber als den anzunehmen, der man ist. Sich als der zu lieben, der man ist. Aus diesem Gefühl heraus wird das Leben in der Welt ein erfüllteres.

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  2. Dass ein Ego sich oder andere Egos liebt, ist nichts Bestrebenwertes.
    Was man „ich“ nennt, ist nur ein geformter vorübergehender Gedanke.

    Egos kann man nicht wirklich lieben.
    Das Ego ist es, was das Alles für sich beansprucht. Doch nicht mal der komisch- kosmische anspruch gestellt, platzt schon das Ego und das Leiden geht weiter.

    LIEBE BEDEUTET ALLES ZU LIEBEN, DOCH NICHT UNBEDINGT DIE EGOS EINZUBEZIEHEN.

    Eine Schlange liebt nur ihre Artsgenossen, alles andere ist entweder Nahrung oder Feind.

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  3. Liebe ist der Zustand, in dem alles schwimmt.
    Liebe ist jenseits vom Kreis des Lebens.
    Sie ist der Ursprung und Urgrund des Seins, in all seinen Manifestationen.
    Selbst die Wesen, welche sie versperren, sehnen sich danach. Das sind die Verstand und Ego- Gerichteten. Alles sehnt sich nach der Liebe, sei es auch nur ein Tropfen.
    Weil Liebe der Baustein des Lebens ist.

    Liebe ist Licht und Unsterblichkeit.Sie ist die Einheit selbst.
    Der Verstand versteht Liebe nicht.
    Weil der Verstand das Herz nicht versteht.
    Liebe will erlebt werden.
    Erst wenn der Verstand in die Herzessenz getaucht wird, wird sie verstanden.

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